Presse
25.09.2011, 21:05 Uhr | Oberhessische Presse - Florian Lerchbacher
Bei Anruf Licht – oder auch nicht
Parlament will innovatives Beleuchtungskonzept beschließen · Ortsbeirat will, das Laternen immer brennen
Mitten in der Nacht sollen die Straßenlampen ausbleiben, allerdings will die Stadt die Möglichkeit bieten, mit einem Anruf zeitweilig für Licht zu sorgen – zumindest in ausgewählten Straßenzügen.
Als Jan-Gernot Wichert (CDU) in den Bürgermeisterwahlkampf einstieg, präsentierte er eine Idee für ein umstrittenes Thema: Die Stadt-verordneten (zumindest die von der CDU sowie einige von FWG und AWG) hatten ein probewei-ses Ausschalten der Straßenbeleuchtung von 1.30 bis 4 Uhr be-schlossen und so für Aufruhr bei Teilen der Bevölkerung gesorgt. Wichert präsentierte daraufhin das Projekt „Dial4Light“, bei Anruf Licht, aus der Nähe seiner Heimat. Abschaltung bringt 8 000 Euro Einsparungen.

Die Eon als Betreiber des Netzes befand die Idee als nicht wirtschaftlich, für Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg klang es zwar bürgerfreundlich und kostensparend, naturgemäß fand er aber ein Haar in der Suppe seines Kontrahenten und bemängelte den „großen Aufwand“ für die Bürger.Inzwischen hat er sich jedoch mit der Idee angefreundet, dass Bürger per Telefonanruf Licht machen können. Dafür müs-sen sie sich nur registrieren. Bei nächtlichen Ausflügen können sie dann eine zentrale Nummer zum Ortstarif wählen und mit einem Code auf der von ihnen gewünschten Strecke das Licht angehen lassen. Weitere Kosten entstehen nicht. Der Magistrat hatte vorgeschlagen, zusätzlich ein kleines Entgelt einzufordern, weil die Stadt einmalig rund 10 000 Euro für die Einrichtung und jährlich 3 000 Euro als Servicepauschale berappen muss – zum Vergleich: bei der momentanen Schaltung spart die Stadt dank der dreieinhalb Stunden Dunkelheit nicht nur CO2 ein sondern auch um die 8 000 Euro jährlich. Die Mitglieder der Ausschüsse kippten die Idee des zusätzlichen Entgeltes jedoch, ehe sie dem Kon-zept insgesamt zustimmten,Ausschussmitglieder streichen Sonderkosten„Ich freue mich, dass wir auf einen gemeinsamen Nenner gekommen sind“, sagt Wichert und ergänzt: „Die Vorstellung des Projektes durch die Stadtwerke Lemgo war überzeugend und gab den Ausschlag.“ Ein zu-sätzliches Entgelt wäre kontra-produktiv gewesen: „So lassen sich Interessen gut verbinden. Die Stadt kann sparen, die Bürger haben die Möglichkeit, Licht zu machen.“ Noch dazu gebe es weitere Einsparmöglichkeiten: Stößt „Dial4Light“ auf gute Resonanz, könne über eine Ausweitung der nächtlichen Abschaltung nach-gedacht werden. Noch dazu will die Stadt teilweise auf LED um-stellen: „Wir warten auf die Zuschussbewilligung aus Berlin“, sagt Richter-Plettenberg.Zwar sind die Stadtverord-neten gemessen an den einstim-migen Entscheidungen der Ausschussmitglieder für die Einführung von „Dial4Light“, doch es gibt auch Gegner, die sich wei-terhin gegen die Abschaltung des Lichtes wehren, allen voran der Ortsbeirat Amöneburg, der weiterhin Sicherheitsbeden-ken hat. Ortsvorsteher Herbert Fischer ärgert sich, dass in der Magistratsvorlage steht, die Be-schwerden aus der Bevölkerung hätten abgenommen: „Den Beiratsmitgliedern liegen zahlreiche Beschwerden vor.“ Richter-Plettenberg entgegnet, bei Fraktionen und Stadtverwaltung sei das Bild anders. Projekt ist heute Thema in BürgerversammlungDoch Fischer hat auch noch die Veröffentlichung eines Kriminalbeamten zu den Gefahren durch das Abschalten der Laternen parat. Darin enthalten sind verschiedene Entscheidungen von Gerichten, unter anderem mit der Aussage, dass Gemein-den durch das Ausschalten ihre Verkehrssicherungspflicht verletzten und mitverantwortlich seien, wenn sich jemand an ei-ner Gefahrenstelle verletze. Der Bürgermeister kontert mit anderen Aufsätzen von Rechts-experten, in denen zum Bei-spiel steht, dass Gemeinden keineswegs verpflichtet seien, die Straßen jederzeit komplett aus-zuleuchten.Für Spannung ist also gesorgt, schließlich steht das Thema heute um 20 Uhr auf der Tagesordnung der Bürgerversamm-lung in der Mehrzweckhal-le Roßdorf und am Montag auf dem Programm der Stadtver-ordnetenversammlung im Bo-nifatiushaus Amöneburg (eben-falls 20 Uhr).
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