Presse
04.08.2007, 06:00 Uhr | Marburger Neue Zeitung von Olivia Heß
"Das ist wie eine Wäsche für´s Gas"
Stromversorger plant in Roßdorf Biogasanlage mit Veredelung / Modellcharakter

Amöneburg-Roßdorf.
Zum Aushängeschild des Kreises Marburg-Biedenkopf soll Rolkiorf werden, wenn es um erneuerbare Energien geht. Der Stromversorger Eon Mitte plant, im vorgesehenen Gewerbegebiet eine Biogasanlage zu errichten. Das Neue daran: Dabei soll das I3iogas veredelt werden und dann in das Erdgasnetz gespeist werden - erstmals im Landkreis.
„Die Anlage könnte Modellcharakter für die Region haben. Deutschlandweit sind soldie Anlagen noch rar, sagt Rene Schneider, Pressereferent des Stromversorgers. Auf ökologischem Weg soll unter anderem aus dem Rohstoff Mais Gas produziert werden, dass in einem weiteren Schritt veredelt wird.
Biogas besteht zu je 50 Prozent aus Methan und Kohlendioxid; das leistungsfähigere Erdgas hingegen zu 100 Prozent aus Methan, dem Energieträger im Gas . „Deshalb soll das Kohlendioxid aus dem Biogas gefiltert werden - der Veredlungsprozess“, sagt Schneider und fügt an-. „Das ist wie eine Wäsche für‘s Gas.“

Bis zu 6o 000 Tonnen Biomasse sollen jährlich verarbeitet werden.

Roßdorf hat sich EON Mitte als möglichen Standort ausgeguckt, weil im Umfeld „genügend Ackerfläche“ vorhanden ist. Die Stadt spricht von 6000 Hektar Anbaufläche in einem Zehn-Kilometer-Radius. Außerdem sei Roßdorf günstig an der Landesstraße 3048 von Kirchhain bis zur Anschlussstelle der Bundesstraße 3 gelegen.

Bis zu 60 000 Tonnen Rohbiomasse sollen pro Jahr verarbeitet werden, angeliefert von Lastwagen. Deshalb verhandelt der Stromversorger nun mit den ansässigen Bauern. Musterverträge und Preiskalkulationen werden derzeit erstellt, die Ende August besprochen werden sollen. Die geplante Biomasseanlage wird auch vom Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Marburg-Biedenkopf, Erwin Koch, unterstützt. Da es sich um eine ökologische Energiequelle handele, könnten dadurch möglicherweise Arbeitsplätze im ländlichen Raum geschaffen und in landwirtschaftlichen Betreiben werden. „Biomasse ist ein Teil der Zukunft für die Bauern“, sagt Koch. Aber mehr noch: Biogas basiere auf eine klimarelevanten Energiegewinnung, bei der Lagerstätten nicht ausgebeutet und weniger Kohlendioxid entstehen würde, Deswegen stehe der Kreisbauernverband den Plänen nicht nur in Roßdorf positiv gegenüber, sondern unterstütze auch andere Biogasanlagen im gesamten Landkreis Fruchten die Verhandlungen also mit den einzelnen Bauern, sollen bis zu 2,5 Megawatt in der Biogasanlage Roßdorf gewonnen werden. Zum Vergleich: Damit könnte nach Angaben des Energteanbieters eine Kleinstadt versorgt werden.
Profitieren könnten einerseits die Anwohner; durch die Veredelung des Gases kann dieses aber auch in das überregionale Erdgasnetz eingespeist werden. Denn die Mittelhessenleitung des Stromversorgers verläuft rund 4,5 Kilometer von dem geplanten Standort der Biogasanlage im Roßdorfer Gewerbegebiet durct Kleinseelheim. Ob die Abwär me auch genutzt wird, stein noch nicht fest. „Wir sind ersT am Anfang der Planung, sagt Schneider. Theoretisch möglich sei es aber. So sei vorstell bar, dass das Gewerbegebiet mit der Wärme aus der Biogasanlage versorgt werden könnte.
Die Kosten für das Projekt ließen sich in diesem Stadium der Planung ebenso wenig skizzieren wie der zeitliche Rahmen für die Umsetzung, erklärt der Pressereferent.
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